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Insight Moorstrategie

Interview


Christian Schröck ist Erstautor der neuen Moorstrategie 2030+. Zahlreiche Expert:innen und Institutionen haben an diesem Werk mitgearbeitet. Er spricht über den Zustand der Moore und wie es gelungen ist, unterschiedliche Interessensgruppen im Entstehungsprozess der Strategie zu involvieren.


Über Jahrzehnte wurden Moore entwässert und Torf abgebaut. Wie ist der Zustand der Moore in Österreich heute?

Man muss das auch im Kontext sehen. Extrem war die Moorzerstörung nach dem 2. Weltkrieg, aber zu der Zeit hat Not geherrscht in Österreich, man wollte Land urbar machen. Heute sind wir meilenweit davon entfernt, dass es den Mooren besser geht, denn 90 Prozent benötigen Sanierungsmaßnahmen. Das Problem ist, solange Moore entwässert sind, wird es ihnen immer schlecht gehen.


Moorschutz und Naturschutz, was ist ähnlich, was ist unterschiedlich?

Der Moorschutz ist etwas spezielles im Naturschutz, denn Lebensraumschutz und Artenschutz gehen nicht immer eine Linie. Für Moore will ich einen hohen Wasserstand erreichen, damit sich Torf bildet, doch für manche Arten ist das nicht immer hilfreich. Auch der Naturschutz hat Widersprüche. Die große Herausforderung ist insgesamt, dass sich immer mehr Schutzgüter um immer weniger Fläche streiten. Manchmal muss man sich entscheiden zwischen Erhaltung von Flächen oder Arten und dafür müssen passende Maßnahmen gesetzt werden.


Wie setzen Sie Maßnahmen im Moorschutz?

Das ist ein sehr komplexes Thema. Die unterschiedlichen Standortfaktoren und Moortypen benötigen unterschiedliche Maßnahmen. Beispielsweise ist ein hoher Anteil von Gehölzen in Mooren eher eine Störung. Wenn diese jedoch unüberlegt, heißt ohne intakten Wasserhaushalt, entfernt werden, nehme ich den Moorflächen den Schatten. Kommen ein bis zwei heiße Sommer, leidet das Moor noch mehr an Austrocknung. Es ist ein ständiger Lernprozess. Häufig fehlt das Wissen und die Erfahrungen bei Revitalisierungsprojekten, es ist ein Testen und Beobachten von Maßnahmen. Generell kann man sagen, dass vorrangig ein intakter Wasserhaushalt wiederherzustellen ist, das heißt ein Grundwasserstand nahe der Erdoberfläche und dafür muss die Entwässerung rückgängig gemacht werden.


Sie sind Erstautor der Moorschutzstrategie 2030+ und im Vorstand der IG Moorschutz. Was war Ihnen besonders wichtig bei der Erarbeitung der Moorschutzstrategie?

Ein wichtiger Punkt ist für mich der praktische Bezug. Die Strategie ist sehr umsetzungsorientiert und transparent gestaltet. Die Moore in Österreich in einen guten Zustand zu bringen ist eine Mammutaufgabe. Ich bin in einem Alter angekommen, in dem ich die Veränderungen, die Verschlechterung der Moore sehe. Mit den aktuell begrenzten Mitteln im Naturschutz müssen wir Prioritäten setzen. Da stellen sich die Fragen: Hat die Fläche noch Potential zur Verbesserung? Machen die Grundbesitzer oder die Landwirtschaft mit?


Wie sind Sie bei der Moorstrategie vorgegangen?

In allen Bundesländern wurden Workshops mit Vertretern aus Landwirtschaft, Forst und Naturschutz veranstaltet, damit jede Interessensgruppe ihre Meinung darstellen kann. Es gab wiederholt die Möglichkeit die einzelnen Strategieentwürfe zu kommentieren. Ich selbst habe dabei 360 Kommentare bearbeitet. Entweder werden die Kommentare aufgenommen, oder es wird begründet, falls sie es nicht werden. Dadurch hat sich in Österreich ein Netzwerk entwickelt, ein gegenseitiges Vertrauen, weil die Akteure der Regionen in den Dialog gekommen sind. Ziel der Umsetzung ist es aus Sicht von Natur-, Wasser- und Klimaschutz die Probleme zu formulieren, zu betroffene Grundeigentümer zu gehen und gemeinsam Beispielprojekte und Lösungswege zu erarbeiten. Naturschutz hat viel mit dem Begriff Heimat zu tun. Die Menschen bekommen mit wie sich ihre Heimat verändert. Dort kann man sie dafür begeistern und oft haben sie einen besseren Zugang zu Grundeigentümern als wir Experten.


Weitere Infos:


Die Moorstrategie 2030+ können Sie hier kostenlos herunterladen.



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