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"Wir räumen auf, aber das ist nicht unsere Kernaufgabe."


Im Attemsmoor in der Südsteiermark rücken dBerg- und Naturwächter:innen zur Neophyten-bekämpfung aus. Dabei kämpfen sie aber nicht nur gegen die Ausbreitung von Springkraut, Kermes-beere und Goldrute, sondern auch gegen die Vermüllung des Moors.



Das Attemsmoor in Straß in der Steiermark ist ein beliebtes Ausflugsziel. Über einen Moorlehrpfad wird man durch einen idyllischen Schwarzerlen-Sumpfwald geleitet und gelangt zu einer Aussichtsplattform. Hier tummeln sich Jung und Alt. Wo viele Leute ihre Freizeit verbringen, entsteht auch meistens Müll. Die Alufolie vom Jausenbrot, die leere Trinkflasche oder benutzte Taschentücher landen dann unweit vom Rastplatz in der Natur. „Wenn den Müll niemand wegräumt, fühlen sich andere Personen dazu eingeladen, ihren Müll auch wegzuwerfen und der Müllhaufen wird immer größer“, schildert Berg- und Naturwächter Raphael Narrath, Bezirksleiter der Region Leibnitz. Um das Ausmaß der Vermüllung nicht überhand nehmen zu lassen, entfernen die Berg- und Naturwächter:innen neben ihrem Pflegeeinsatz im Naturschutzgebiet auch achtlos Weggeworfenes. „Beim Pflegeeinsatz drängen wir invasive Neophyten zurück. Dabei reißen wir die Pflanzen aus bzw. schwächen den Wurzelkörper. Seit einiger Zeit verbinden wir diese Einsätze aber auch mit der Entfernung von Müll“, erklärt Narrath. Die Berg- und Naturwacht ist in erster Linie für die Umsetzung landesgesetzlicher Vorschriften für die Erhaltung und den Schutz der Natur zuständig. Obwohl die Müllentsorgung nicht zu den Aufgaben der Berg- und Naturwächter:innen gehört, nimmt das Thema immer mehr Bedeutung an. „Eine unserer Kernaufgaben ist das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung zu fördern und in diesem Fall der Bevölkerung zu erklären, warum sie den Müll nicht in der Natur entsorgen sollen. Genau genommen müssten wir die Übeltäter darauf aufmerksam machen und sie bitten, den Müll wieder mitzunehmen, sofern wir jemanden auf frischer Tat ertappen. Wir entfernen den Müll freiwillig“, sagt Narrath. Das Hinterlassen von Abfällen ist in einigen Naturschutzgebieten per Verordnung verboten. Deswegen werden in diesen Gebieten bewusst auch keine Mülleimer aufgestellt.


Klomuscheln, Aludosen und Taschentücher

Obwohl im Naturschutzgebiet Attemsmoor im Eingangsbereich neben der großen Informationstafel ein Mülleimer angebracht ist, landet immer wieder Müll abseits der Wege. „Das Problem bei den Mülleimern ist: Die gehen nicht mit einem mit“, scherzt Johann Reiter, Bezirksleiterstellvertreter Leibnitz. Auch außerhalb des Niedermoors ist der Müll nicht zu übersehen. Die häufigsten Müllsünder:innen besitzen eine Vorliebe für Fastfood. „Dort, wo die Jause gegessen wird, lässt man den Müll liegen oder wirft ihn einfach aus dem fahrenden Auto“,

sagt Monika Tatzer, Einsatzleiterin Heiligenkreuz am Waasen. Neben Fastfoodverpackungen haben sich so während der Pandemie auch Aludosen in Straßenböschungen etabliert. Selten, aber doch finden die Berg- und Naturwächter:innen Klomuscheln und Campingausrüstung. „Es ist eine Mischung aus Traurigkeit und Ärger, die ich beim Anblick der Müllhaufen in der Natur empfinde, aber gleichzeitig auch eine Motivation, die Müllsünder zu sensibilisieren“, sagt Narrath. Meistens stoßen die Berg- und Naturwächter:innen auf Unverständnis bei den Müllsünder:innen. Durch aufklärende Gespräche, für die sie eigens geschult wurden, kann zumindest ein Teil der Bevölkerung zum Umdenken motiviert werden. „Wir müssen deeskalierend, beruhigend und sachlich vorgehen. Doch manchmal stößt man dann sofort auf Gegenargumente. Taschentücher verrotten doch eh, die Vögel brauchen ein Behältnis zum Wassertrinken oder im schlimmsten Fall: Was geht dich das an!“, sagt Narrath. Taschentücher benötigen zwischen einem und fünf Jahre, bis sie vollständig abgebaut sind, ein Zigarettenstummel bis zu sieben Jahre und eine Babywindel bis zu 800 Jahre.


Müll wirkt auf Tiere anziehend

Blechdosen verrotten im Gegensatz zu Plastikflaschen um mehrere tausend Jahre schneller, dennoch stellen die Behälter eine Gefahr für Tiere dar. Befinden sich darin Essensreste, fühlen

sich Igel, Schlangen und andere Tiere angezogen. Durch den scharfen Dosenrand können sich die Tiere verletzen. Manche Tiere bleiben aufgrund ihrer Fülle in dem Behältnis stecken und verenden qualvoll. Glitzernde Zuckerlverpackungen ziehen nicht nur Elstern an: „Wir haben sogar schon einen Frosch mit einem Zuckerlpapier im Maul gefunden. Der dachte, das sei ein Falter“, erzählt Narrath. „Müll auf der Wiese kann zum Problem für Bewirtschafter werden,

wenn kleine Teile nach der Mahd im Heu enthalten sind. Denn Rinder, Schafe oder Ziegen, die das fressen, können ernsthaft erkranken“, erklärt Einsatzleiterin Tatzer. Insgesamt 3.700 Arbeitsstunden waren die Berg- und Naturwächter:innen im Jahr 2021 allein für die Reinigung der Landschaft im Einsatz. „Jeder möchte die Natur genießen, das sollen sie auch, aber niemand möchte etwas dafür tun, dass es so schön bleibt“, sagt Narrath, „und deswegen kümmern wir uns darum. Wir räumen den Müll weg, denn unsere Natur liegt uns am Herzen, aber es ist nicht unsere Kernaufgabe.“